Liebe Leute

Hey, das bin ich. Mio! Ich gehe in die erste Klasse und bin sieben Jahre alt. Ich kann schon bis 119 zählen und mein vorderer Zahn wackelt. Meine Lieblingsfarben sind grün und blau manchmal auch rot, ich mag Nudeln mit Kindersoße und ich habe dieses Jahr schon dreimal ein Pflaster auf dem rechten, äh… linken Knie, na da so gehabt. Tja, also ein ganz normaler Junge, sagt Mama. Scharli Schumann ist mein Nachbar und nach Maxito mein bester Freund.

 

Also Maxito ist mein aller aller allerbester Freund. Wir machen alles zusammen, Zähneputzen, Fahrrad fahren, Fußball und Monopoli spielen, Eis essen und manchmal kommt er auch mit ins Bett. Aber das darf Mama nicht wissen, „schließlich ist Maxito ein Meerschweinchen„, sagt sie und runzelt die Stirn ganz komisch. Ja, aber nicht irgendeines. Maxito ist etwas ganz Besonderes, wann immer ich Sorgen habe -… psst…- kann ich‘s ihm ins Ohr flüstern - und schon ist beinahe alles wieder gut. Versuche das mal mit ‘nem Wellensittich.

Natürlich habe ich auch eine Familie, meine Mama habt Ihr ja schon kennen gelernt. Mama ist die schönste Frau, die ich kenne, wenn ich das sage bekommt sie immer kleinen rote Flecken auf den Wangen. Das mag ich. Egal, außerdem ist sie Sportlehrerin und ordentlich auf Zack, wenn sie nicht gerade auf uns aufpasst.

Ich fahre ein fast neues Fahrrad, die Schramme vorne hat Mechthild Siebers mir verpasst, aber das ist eine andere Geschichte. Einen silberblauen Superpfeil fahre ich. Einen Blitz, den haben Mama und ich zu meinem Geburtstag ausgesucht. Einen Blitz brauchte ich, damit ich nicht zu spät zur Schule komme. Früher hat mich Mama immer hinten auf ihrem Frosch mitgenommen, doch jetzt musste ich Lili den Platz überlassen. Na, was soll’s, ich bin ja schließlich schon fast einen Meter groß, da kann man schon ein eigenes Rad fahren.

Lili ist noch ganz neu in unserer Familie, sie ist letztes Jahr zu uns gekommen. Erst hat Mama sie ein Jahr in ihrem Murmelbauch getragen und nun ist sie bei uns. Leider kann man sie noch ganz schlecht verstehen. Sie kann ja noch nicht reden. Aber ich versuche ihr alles beizubringen was ich schon weiß. Erst letzte Woche habe ich (und darauf bin ich total stolz) ihr beigebracht, wie man die Kekse aus Urömelis Super-sonder-spezial-geheim-Versteck holen kann. Natürlich wurde nach der Aktion brüderlich geteilt. Ah, also Kekse abgeben hat sie noch nicht so drauf, aber Übung macht die Meisterin.

Ach ja, das Urömeli, nie gab es eine besser kochende und backende Omi. Oma Helene ist eigentlich eine TikTakoma (Uhromi), das habe ich zu ihr gesagt als ich noch ganz klein war. Und sie ist ungefähr 84 Jahre alt, sagt sie. Und topfit. Na Urömeli eben. Ihre Spezialität sind die oben genannten Super-sonder-lekka-zu-jeder-Jahreszeit-allen- schmeckt-Kekse. (Rezept später vom Ömeli selbst.)
Eigentlich ist Oma Helene nicht so richtig böse, wenn die Kekse in der silbernen Dose abgenommen haben. Nur Papa macht immer ein ganz komisches Gesicht, wenn er wieder einmal nur sein Spiegelbild auf dem Boden der Keksdose entdecken kann. Hi hi.

Papa ist ein Doktor. Nein, kein Arzt, Doktor der Filu oder Filo und dann kommt da noch so ein Mädchenname hinten dran, Sofia oder so. Egal, jedenfalls hat er mit Büchern zu tun, mit ‘ner Menge Büchern. Wir haben zu Hause einen ganzen Raum nur mit Büchern, die sind bis an die Decke gestapelt. Aber die sind meistens langweilig, sind nur Buchstaben drinnen und überhaupt keine Bilder. Er hat ein grosses Büro mit einer Menge mehr Büchern als wir zu Hause habn. In der Universität – dort gehen Erwachsene noch mal zur Schule. Aber eigentlich ist mein Papa mit Leib und Seele ein Gitarrenspieler in einer Band. Letzten Sonntag hatten sie einen Auftritt in unsere Schule, da stand ich in der ersten Reihe und habe heimlich alle Lieder mitgesungen. Das war so cool. Ich bin sein allergrößter Fan.

Also bei uns ist alles ganz normal, wenn Papa und Mama mal abends ausgehen oder arbeiten müssen, passt Matea auf uns auf. Matea ist schon groß, aber das klappt nicht immer so richtig bei ihr. Na ja, der letzte Pudding hat der Küche eine neue Farbe verpasst. Ich fand das Grün schön, doch Mama hatte beschlossen die Küche nach dem Puddingunfall rot anzustreichen. Auch gut.

Ach ja, ich habe braune Haare, die sich mit Vorliebe sträuben gebürstet zu werden. Und Murmelaugen, sagt Mama, und ich kann das mit den Schnürsenkeln noch nicht so gut und habe deshalb Klettverschlüsse an meinen Turnschuhen.